Wonach suchst du eigentlich? Berufliche Standortbestimmung: Die richtige Stelle finden
Eine berufliche Standortbestimmung beginnt nicht mit der Stellensuche, sondern mit der Frage, welche Unternehmung wirklich zu dir passt.
Vor einigen Tagen war ich auf dem Weg zum Einkaufen und ging durch die Bahnhofunterführung in Kilchberg. Dabei fielen mir zwei Lampen und ein Kessel auf. Sauber hingestellt, nicht einfach achtlos entsorgt. Offensichtlich hatte sich jemand die Mühe gemacht, ihnen noch eine Chance zu geben. Ich musste schmunzeln und dachte: Da möchte jemand, dass diese Dinge ein neues Zuhause finden.
Eigentlich ein schöner Gedanke. Statt etwas einfach wegzuwerfen, besteht die Hoffnung, dass sich jemand darüber freut und sie weiterverwendet. Nachdem ich aber weitergelaufen bin, habe ich mich aber gefragt:
Ist das eigentlich eine gute Suchstrategie?
Natürlich könnte sie funktionieren. Vielleicht kommt genau die Person vorbei, die einen Eimer oder eine dieser Lampen sucht. Genauso gut könnten sie aber noch Tage dort stehen. Nicht weil sie nichts mehr wert wären, sondern weil genau die Menschen, die Freude daran hätten, nie durch diese Unterführung gehen.
Wenn Menschen über eine berufliche Veränderung nachdenken, beginnt die Suche fast automatisch bei den Stellenportalen. Das ist verständlich, denn sie suchen ja eine neue Stelle.
In einer beruflichen Standortbestimmung stelle ich natürlich auch die Frage:
Wonach suchst du eigentlich?
Die Antwort lautet oft: eine Führungsfunktion, eine neue Herausforderung, eine Teilzeitstelle oder etwas ganz Neues, auch eine neue Branche.
Natürlich suchen die meisten Menschen einen Job, sie haben ja auch Verpflichtungen. Aber insbesondere suchen suchen nicht einfach einen neuen Job, sie suchen eine Unternehmung, deren Kultur zu ihnen passt. Eine Führung, die Vertrauen schenkt. Kolleginnen und Kollegen, mit denen sie gerne zusammenarbeiten. Eine Aufgabe, bei der sie ihre Stärken einbringen und etwas bewirken können.
Ich spreche dabei gerne von der DNA eines Menschen und der DNA einer Unternehmung. Beides muss nicht identisch sein, aber sie sollte zusammenpassen. Das ist aus meiner Sicht die Grundlage für eine Zusammenarbeit, die für beide Seiten langfristig stimmig ist.
Deshalb beginnt für mich eine berufliche Standortbestimmung nicht mit dem Lebenslauf, sondern mit dem Menschen.
Welche Werte sind dir wichtig?
Welche Unternehmenskultur gibt dir Energie?
Wo kannst du deine Stärken wirklich einbringen?
Und bei welcher Unternehmung hast du das Gefühl:
Dort passe ich hin.
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, ist die die Suchstrategie festzulegen. Aus der Suche nach Stellen wird die Suche nach passenden Unternehmen.
Plötzlich werden Zielfirmen interessant, die vorher vielleicht gar nicht im Fokus waren. Das Netzwerk erhält eine zusätzliche Bedeutung. Gespräche entstehen nicht mehr zufällig, sondern bewusst. Eine Initiativbewerbung richtet sich nicht mehr an irgendeine Unternehmung, sondern an eine, bei der eine echte Passung möglich erscheint.
Manche interessante Stellen werden nie öffentlich ausgeschrieben. Sie werden vergeben über persönliche Kontakte, Empfehlungen oder weil Unternehmen im richtigen Moment an die passende Person denken.
Das ist nicht nur Theorie, sondern Praxis, die ich auch nur bestätigen kann.
Dazu dieses kleine Beispiel: Ich wollte am Postschalter eigentlich nur Briefmarken kaufen. Die junge Mitarbeiterin verkaufte mir jedoch diese nicht einfach so, sondern sie hat es mit einer nicht erkennbaren Leichtigkeit geschafft, dass ich den Schalter mit mehr verliess, als ich ursprünglich kaufen wollte – ja, die Post ist für ein Angebot, das über Briefmarken geht, bekannt. Sie verstand es, In mir ein Bedürfnis zu wecken und mich auf eine natürliche Art auf zusätzliche Produkte aufmerksam zu machen. Als ich mich verabschiedete, gab ich ihr spontan meine Visitenkarte.
„Falls Sie irgendwann einmal eine neue Unternehmung suchen, melden Sie sich bei mir.“
Zwei Jahre später tat sie das. Damals kannte ich weder ihren Lebenslauf noch ihre Zeugnisse. Ich wusste nichts über ihre Ausbildung.
Mich hatte ihre Art überzeugt.
Diese Begegnung kam mir jetzt wieder in den Sinn, weil sie ein Beispiel ist, dass Unternehmen letztlich nicht einfach Stellen besetzen. Sie suchen Menschen, die fachlich und menschlich zu ihnen passen.
Und das gilt genau auch umgekehrt. Nicht jede freie Stelle passt zu jedem Menschen.
Natürlich gehören zu einer beruflichen Veränderung gute Bewerbungsunterlagen, überzeugende Gespräche und ein aktives Netzwerk.
Darauf zu warten, zufällig gefunden zu werden, würde ich trotzdem nicht als sinnvolle Suchstrategie bezeichnen.
Eine gute Suchstrategie beginnt für mich früher, mit einer beruflichen Standortbestimmung und der ehrlichen Frage, welche Unternehmungen überhaupt zu dir passen könnten.
Erst daraus entstehen Zielfirmen, Gespräche, Empfehlungen, Bewerbungen und damit auch auf Job-Chancen, die nie auf einem Stellenportal erscheinen.
Vielleicht beginnt eine erfolgreiche berufliche Veränderung nicht mit der Frage, welche Stelle frei ist. Sondern bei welcher Unternehmung du mit deinen Fähigkeiten, deinen Werten und deiner Persönlichkeit wirklich etwas bewirken kannst.
FAQ
Beginnt eine berufliche Standortbestimmung mit der Stellensuche?
Nein. Eine berufliche Standortbestimmung beginnt mit deinen Werten, Stärken, Zielen und der Frage, welche Unternehmung wirklich zu dir passt. Erst daraus entsteht eine sinnvolle Suchstrategie.
Sind Stellenportale der beste Weg zu einer neuen Stelle?
Vor allem nicht am Anfang. Viele interessante Stellen werden über Empfehlungen, persönliche Kontakte besetzt. Deshalb lohnt es sich, neben Stellenportalen auch gezielt nach passenden Unternehmen zu suchen.
Wie finde ich die passende Unternehmung?
Nicht nur über offene Stellen. Eine berufliche Standortbestimmung hilft dabei, passende Unternehmenskulturen, Werte und Zielfirmen zu identifizieren. Dadurch wird die Stellensuche gezielter und oft erfolgreicher. Dabei hilft professionelles Netzwerken.